Der schwierige Kampf gegen die Wüste

Zu Besuch am Great Green Wall im Flüchtlingscamp Minawao Nordkamerun

Der schwierige Kampf gegen die Wüste
Eine der Obstplantagen im Flüchtlingscamp Minawao

Um die Wüstenbildung in der Sahelzone zu stoppen, gibt es seit 14 Jahren eine länderübergreifende Initiative quer durch Afrika: Den „Great Green Wall“. Die “große grüne Mauer”, so heißt das Projekt unter Federführung der Afrikanischen Union. Der 8000 Kilometer lange Baumgürtel soll sich von Dakar bis nach Dschibuti erstrecken und so die Wüstenbildung aufhalten, so der Plan. Die grüne Zone von der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Senegal bis nach Somalia an der Ostküste des Kontinents dürfte rund 44 Milliarden US-Dollar kosten, rechnen Forscher vor.

14 Jahre nach Projektbeginn sind erst rund 4 Prozent der geplanten fast 100 Millionen Hektar bepflanzt worden. Warum?

Bericht im DLF Umwelt & Verbraucher 13.1.22
Der schwierige Kampf gegen die Wüste
Teil des Kameruner Great Green Wall im Flüchtlingscamp Minawao

Wir haben mehr als 25 verschiedene Grünpflanzen hier im Camp. Sie werden unter den Bewohner verteilt oder auf einem Feld gepflanzt, um Minawao wieder grüner zu machen.

Luka Haruna steht inmitten kleiner Setzlinge in einem Wäldchen aus Akazien. In langen Reihen ziehen sich die filigranen grünen Bäume über ein eingezäuntes Feld hin. In einiger Entfernung befindet sich ein weiteres Feld mit Moringasträuchern, Neem- und Mangobäumen.

Diese Bäume hier wurden vor drei Jahren gepflanzt. Ja, wir müssen sie einzäunen, weil die Tiere sie sonst fressen, wir müssen sehr auf sie achtgeben, bis sie ausgewachsen sind.

Der Nigerianer Haruna kam 2014 als Flüchtling in das Camp Minawao im Hohen Norden Kameruns. Mit knapp 70 000 Bewohnern das größte dieser Art in der Lac-Tschad-Region. Heute kümmert er sich als einer von 16 Gärtnern um die grüne Lunge von Minawao, Teil der „Great Green Wall“-Initiative, finanziert vom WWF und dem Lutherischer Weltbund LWF mit Sitz in Genf.

Spezielle Cocons helfen dreifach

Besonders angetan ist Haruna von den sogenannten Cocons einer holländischen Firma. Mit deren Hilfe wurden rund 42 000 der insgesamt gut 500 000 Bäume des Camps gepflanzt.

Wir graben das Loch für den kleinen Baum, setzen ihn dort hinein und der Cocon kommt mit dem Loch darüber. In den Behälter füllen wir das Wasser. Die 25 Liter reichen für drei Monate.

Die hellbraunen, runden Cocons mit einem Loch in der Mitte dienen gleich drei Funktionen: In den ersten Wochen schützt ein Deckel vor der Sonne und Austrocknung, der Behälter sorgt für die Wasserversorgung und nach drei Monaten ist der aus organischen Materialien bestehende System zerfallen und dient als Dünger.

Das Problem: Tiere aus dem Camp, wie Ziegen und Schafe, fressen die Schösslinge. Außerdem werden die mühsam gepflanzten Bäume, sobald sie zwei, drei Jahre alt sind, von Campbewohnern oft wieder abgeholzt, teilweise nachts. Das Camp ist deshalb dazu übergegangen, als Holzersatz Briketts und Holzkohle aus Biomasse herzustellen, die rund um die Zelte und Behausungen der Flüchtlinge anfällt, erklärt Sali Innaba, Verwalter des Flüchtlingscamps.

Er verweist stolz auf die großen Flächen, wo die braunen, ziegelförmigen Quader in der Sonne trocknen.

Sie hacken einfach die Zweige der Bäume einfach ab, deshalb sind wir dazu übergegangen, auch vorbeugend, diese Briketts herzustellen zu lassen von Männern des Camps. Dasselbe gilt auch für die Holzkohle aus Biomasse, die in einem extra Bereich hergestellt wird.

Viele Bäume überleben nicht

Während in der Ferne eine Frauengruppe einen traditionellen nigerianischen Tanz übt, beschreibt Gärtner Haruna auf einem anderen abgezäunten, sehr trockenen Feld, warum viele der Obstbäume, die hier gepflanzt wurden, nicht überlebten:

Wir merken den Klimawandel sehr deutlich. In diesem Jahr zum Beispiel war es relativ kühl und es gab viel Regen, im vergangenen Jahr hingegen sehr wenig Niederschläge und viele der Bäume sind einfach vertrocknet. Diese paar hier haben wir gerettet, ihnen geht es gut.

Wir haben 2015, 2016 mit den Baumpflanzungen begonnen.

Erklärt Mylène Ahounou, Chefin des UNHCR-Flüchtlingshilfswerk in Maroua, der Regionalhauptstadt des Hohen Nordens Kameruns.

An Wasser mangelt es nicht, aber an Überzeugung

Eigentlich wachsen in der Region viele Bäume, aber rund um das Flüchtlingslager beherrscht staubtrockene, baumlose Savanne die Landschaft. Nachdem das Camp 2013 vom UNHCR Flüchtlingshilfswerk errichtet wurde, verschwand fast die gesamte Vegetation, die Bäume landeten im Holzfeuer:

Seitdem haben wir viele Kampagnen gefahren für eine Sensibilisierung der Campbewohner, warum es wichtig ist, die Bäume zu pflanzen. Welchen Nutzen es für das Camp hat. Danach bauten wir gemeinsam die Baumschulen auf, davon gibt es jetzt zwei.

Die Bewässerung der jungen Bäume hält Ahounou derzeit für gesichert. Zahlreiche Brunnen können angezapft werden. Vom Staussee in Mokolo, einem 30 Kilometer entfernten Ort, sorgt eine Pipeline für die Wasserversorgung des Camps. Je größer die Bäume werden, umso schwieriger werde es aber, denn die Flüchtlinge wollen bezahlt werden für die Pflege der Plantagen.

Es lohnt sich trotz allem

Trotz Klimawandel, einer Verschiebung der Trocken- und Regenzeiten sowie einer Zunahme der Bevölkerung sei der Great Green Wall eine wichtige Initiative zur Wiederaufforstung der Sahelzone, betont der Bonner Wissenschaftler Alisher Mirzabaev:

Der Klimawandel wird natürlich auch Auswirkungen auf dieses Projekt haben. Unsere Studien haben aber gezeigt, dass sich die Sanierung dieser Flächen trotzdem lohnt. Vor allem ist es wichtig zu betonen, dass die Wiederherstellung der Ökosysteme nicht nur zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt, sondern auch den Menschen vor Ort hilft, mit den Auswirkungen und den extremen Wetterbedingungen in der Sahelzone besser umzugehen.

Die Trockenzeit hat begonnen im Hohen Norden Kameruns. In drei, vier Monaten wird hier alles wüstenartig aussehen. Wie viele Bäume das in diesem Jahr überleben, ist unklar.

ENDE

www.reliefweb.int/report/cameroon/refugees-cameroon-help-build-great-green-wall-combat-desertification

www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/aktuelles/blog/artikel/die-great-green-wall-in-kamerun