Regen in der Gletscherhöhle.

Island sieht dem Schmelzen der Gletscher hilflos zu

Während in Madrid über die Möglichkeiten der Begrenzung der Erderwärmung diskutiert wird, veröffentlichen Wissenschaftler auf Island ihre neueste Studie zum Zustand der isländischen Gletscher. Nach deren Berechnungen wird im Jahr 2300 der im Südosten gelegene Vatnajökull verschwunden sein, Islands größter Gletscher – so groß wie Berlin.

Auch die Eishöhlen unter den Gletschern verschwinden. Der längste Eistunnel der Welt ist im Langjökull, Islands zweitgrößtem Gletscher im Westen der Insel.

Regen in der Gletscherhöhle.
Bizarre Formationen 15 Meter tief im Gletscher
Bericht im DLF Umwelt & Verbraucher

Es sei rutschig, man solle langsam gehen und nicht hetzen, das ist der erste Warnung von Guide Emilia Arínsbjornsdottir, bevor es in Island längste Eishöhle geht. Spikes sind hier Pflicht, denn der Untergrund ist feucht, es tropft von den Wänden, das Eis fühlt sich nass an – und das im Dezember:

Willkommen im Gletscher, ich denke wir sollten uns vergegenwärtigen, dass wir jetzt mitten in einem der größten Gletscher Europas stehen.

Erklärt Emilia. Vor vier Jahren kamen die ersten Besucher in die gut 500 Meter lange Höhle auf 1260 Meter. Damals war das Eis über der Tunneldecke noch 25 Meter dick, heute sind es 15 Meter. Überall tropft es, große Wasserpfützen versperren den Weg. Im Sommer benötigt man einen Regenschirm.

Einen Millimeter pro Tag bewegt sich der Gletscher talabwärts. An den Wänden sind, wie bei Baumringen, die einzelnen Jahre gut zu erkennen. Der Aschestreifen vom Ausbruch des Eyjafjällajökull 2010, der den Flugverkehr Europas lahmlegte. Oder der schmale Streifen von 2017, als es viel regnete am Gletscher und die Schmelze besonders hoch ausfiel:

Gletscher schmelzen natürlich immer, besonders im Sommer, aber im Winter wird das normalerweise wieder ausgeglichen, das passiert nicht mehr.

Regen in der Gletscherhöhle.
Durch Feuchtigkeit und Gletscherbewegung geformte Wände

Anträge für weitere Gletschertunnel laufen

Besonders in Islands bizarren, eisblauen Gletscherhöhlen kann man die Tragik des Klimawandels hautnah erfahren. Als der Tunnel am Vatnajökull 2015 eröffnet wurde, rechnete man mit einer Betriebdauer von 15 Jahren, mittlerweile geht man von acht Jahren aus, aber auch das sind nur wage Schätzungen. Björn Guðmundsson von der Betreiberfirma Into the glacier erklärt schriftlich, dass man bereits plane, einen neuen Tunnel am Langjökull zu graben, wenn die jetzige Gletscherhöhle langsam verschwindet. Bis dahin helfen leistungsstarke Pumpen, das Schmelzwasser immer wieder aus dem Tunnel zu entfernen:

Der Langjökull bewegt sich recht langsam, ist dünner und kleiner als der Vatnajökull, deshalb schmilzt er viel schneller als die großen Gletscher. Laut unserer Vorhersagen werden nur noch zehn Prozent von ihm bis zum Ende des Jahrhunderts vorhanden sein.

Guðfinna Aðalgeirsdóttir, Professorin der Universität Reykjavik, untersucht seit gut zehn Jahren jedes Frühjahr und im Herbst die zehn wichtigsten Eisriesen Islands. Bis 2300 werden alle verschwunden sein wie der Vatnajökull, mit einer Größe des Stadtebietes von Berlin, und damit auch die Eishöhlen, wenn die Erderwärmung auf 4 Grad steigt, publizierte sie in ihrer neuesten Studie.

Regen in der Gletscherhöhle.
Þorsteinn Þorsteinsson vom MII

Ihr Kollege vom Meteorologischen Institut Islands Þorsteinn Þorsteinsson war gerade auf einer Expeditionstour:

Die Länge der Gletscher geht zwanzig bis 50 Meter zurück in jedem Jahr, das ist typisch für Island.

Im Frühjahr wurde auch an der Westküste das erste Mal ein Bohrkern auf dem Snæfellsjökull gezogen und der Niederschlag des Winters gemessen.

Die Aussichten für den Gletscher sind nicht gut, sagt Þorsteinsson: Die Prognose für den durch Jules Verne bekannt gewordenen Gletscher: 30 Jahre.

Danach ist er weg.

ENDE