Frauen als Klempnerinnen

Irbid: Jordanische und syrische Frauen helfen sich selbst

Selbst das Klo reparieren, den verstopften Abfluss richten oder den Wasserhahn selbst anschließen – Frauen als Klempnerinnen gehören in Deutschland zu einer seltenen Spezies. In anderen Ländern, erstaunlicherweise sogar in jordanischen Flüchtlingslagern an der Grenze zu Syrien lernen Frauen aller Altersgruppen, wie eine Rohrzange funktioniert, wie in Küche und Bad Wasser eingespart und Regenwasser in Zisternen gesammelt werden kann. 

Frauen als Klempnerinnen
Klempnerinnen-Klasse der Berufsschule Irbid

Bericht im Deutschlandfunk Campus & Karriere

Der Geräuschpegel in dem großen Trainingsraum schwankt beträchtlich. Mit großen Gewindeschneidmaschinen stehen gut zwei Dutzend Frauen und Mädchen in Gruppen um mehrere Schraubstöcke herum. Lange Stahlrohre samit Hanfseilen und Muffen liegen auf den Tischen:

Am Anfang ist die Arbeit uns wirklich schwer gefallen, mittlerweile geht es und ist für uns schon Normalität.

Lächelt Yizral Muhr, die an einem der Schraubstöcke mit den schweren Rohren hantiert:

Ich kann schon einiges im Haus reparieren, helfe Nachbarinnen und meinen Schwestern. In fremden Häusern helfe ich noch nicht.

Yizral gehört zu den mehr als 200 Frauen und Mädchen, die seit drei Jahren an der Hakama-Berufsschule im nordjordanischen Irbid, kurz vor der syrischen Grenze, eine Installateursausbildung absolviert haben. Auf den mehrmonatigen Einsteigerkurs zur Hilfsarbeiterin folgte ein Praxisteil, dann ein Auffrischungskurs sowie die mündlichen und schriftlichen Prüfungen Mit dem neuen Kurs will die 40-Jährige jetzt die Facharbeiterreife erlangen.

Frauen als Klempnerinnen

Jede Frau kann sich bewerben

Als ich das erste Mal von dieser Ausbildung hörte, war ich total begeistert, auch mein Mann hat mich darin bestärkt, hier teilzunehmen.

Ergänzt eine Klempnerin neben Yizral, die jeden Tag sechs Stunden vom Jordantal nach Irbid fährt, um diese Ausbildung zu machen. Ihre Familie finanziert die Fahrtkosten und unterstützt den ungewöhnlichen Job:

Immer wenn ich zu einer Veranstaltung eingeladen werde oder auf eine Hochzeit, dann erzähle ich, das ich Klempnerin bin, erkläre den Leuten, wie wichtig es ist, richtig mit Wasser umzugehen und wie sie Wasser sparen können. Wir haben bereits eine Kooperative gegründet, die bis jetzt gut 50 Haushalten helfen konnte.

Ob Anschluss von Warmwasserboilern, die richtige Installation von Waschbecken und Mischbatterien, das Säubern der in Jordanien üblichen Wassertanks auf den Dächern oder die Beratung beim Wassersparen – ihre Kooperative sei sehr gefragt, erklärt sie. Sogar aus der Hauptstadt Amman kämen Anfragen. Die Anfragen stammen fast ausschließlich von Frauen, denn männliche Klempner dürfen einen Haushalt in Jordanien nicht betreten, wenn nur eine Frau anwesend ist:

Ich finde es einfach prima, wenn ich in meinem eigenen Haushalt alles selbst reparieren kann. Ich brauche keinen Handwerker. Das spart ja Geld.

Argumentiert eine weitere Teilnehmerin, die mit ihren 56 Jahren zu den älteren gehört und aus Syrien stammt. Gut die Hälfte der Frauen sind Flüchtlinge aus dem Nachbarland. Klempnern sei eine Perspektive, man fühle sich wieder gefragt, ist ein weiteres Argument. Wenn sie irgendwann zurückkehren können, hilft ihnen die Ausbildung beim Neuanfang, sind diese Schwestern überzeugt:

Während des Krieges ist viel in Syrien zerstört worden, wir können mit dieser Ausbildung helfen, es wieder aufzubauen.

Modernste Demonstrationsanlagen

An einer Wand ist ein überdimensionales Modell einer Abwasseranlage aufgebaut. Durchsichtige Rohre zeigen an, wie das Wasser – zum Beispiel für die Toilettenspülung – verteilt wird, wo Schwachstellen und damit Wasserverlust auftreten können. Ein einmaliges Demonstrationsobjekt sagt der Schulleiter stolz.

Am Anfang klang diese Idee total abwegig, dass Frauen Klempnerarbeiten durchführen sollten. Das war man hier nicht gewohnt. Deswegen haben wir anfangs den Frauen nur die leichten Sachen übertragen. Mittlerweile ist es fast normal. Und die Frauen können selbst Geld verdienen.

An der Berufschule von Schulleiter Abd Al Rahman Zaareer im nordjordanischen Irbid werden knapp 900 Schülerinnen und Schüler in 21 Workshops unterrichtet: KFZ-Mechaniker, Heizungs- und Klimatechniker. Neben Lackierern, Elektrikern und Friseure auch Konditore und eben Klempnerinnen.

Das von der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit initiierte und geförderte Projekt gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten in Jordanien. Allein die Thematik des Wassersparens in einem der trockensten Länder der Welt überzeugt sowohl die Frauen aus Syrien wie auch aus Jordanien. Die Bewerberzahlen für die Ausbildung übersteigen das Platzangebot bei weitem, so Projektmanager Dirk Winkler. Auf 25 Plätze kommen 100 Bewerbungen. Und die Erfolgsaussichten sind groß:

Wir schätzen, dass mindestens 80 bis 90 Prozent der Teilnehmerinnen hinterher wirklich in dem Beruf tätig werden und in den Kooperativen sind mehr als 50 Klempnerinnen vereinigt, die dort ihre Arbeit anbieten.

ENDE