Restitution afrikanischer Kunstwerke an Kamerun

Zu Besuch im Lamidat von Ngaoundéré/Nordkamerun

Im British Museum liegen sie, im Völkerkundemuseum in München, im neuen Humboldtforum und auch im Weltmuseum Wien: Afrikanische Kunstobjekte, die während der Kolonialzeit aus Kamerun, Namibia, Benin oder Kongo nach Europa gebracht wurden.

Im Weltmuseum Wien (WMW) sind laut dessen Angaben in der Sammlung „Afrika südlich der Sahara“ 36.249 Objekte registriert. Im Naturhistorischen Museum lagern menschliche Überreste aus Kamerun.

Sollen sie in die Ursprungsländer zurückgegeben werden?

ORF, Ö1, 4.10.21 Frühjournal

So hat es damals geklungen, als die Musiker auf diesen Instrumenten auf ihre ganz eigene Weise spielten. Das hier ist ein kleines Balafon und hier ein großes mit einer eigenen Stimmung. Da oben hängt noch eine alte Fanfare.

Im schummrigen Dunkel der runden Lehmhütte sind an den Wänden alte Gegenstände zu erkennen. Balafone, Fanfaren, aber auch zwei Köcher mit alten Holzpfeilen, ein Langbogen, ein geflochtener Schild, ein mächtiger Büffelschädel:

Was wir hier sehen ist von ungefähr 1965 und wurde für Zeremonien genutzt. Das dort wurde 1948 gefertigt.

Der Stolz über seine Kultur ist Ndalpole Fidele anzumerken. Der Manager des Lamidat in Ngaoundéré, im Hohen Norden von Kamerun führt seine Gäste auf einer ausführlichen Tour über das alte Palastgelände. Die prächtige Anlage, eine der größten in Nordkamerun, war seit 1836 der Sitz des Lamido, der wichtigsten traditionellen Persönlichkeit der mehrheitlich islamischen Distrikts von Adamaoua, eine der zehn Regionen Kameruns.1894 schlossen die einheimischen Fulbe einen Schutzvertrag mit den deutschen Kolonialherren, 1901 wurde die Stadt endgültig besetzt.

Hier wurde der Lamido Mohammadou Aboo Issa von den Deutschen getötet, danach begann der Bürgerkrieg zwischen den Einheimischen und der Kolonialmacht, das ist die Geschichte, es ist eben so, heute kommen viele Deutsche als Besucher her.

Wie viele Kulturgüter während der deutschen Kolonialzeit aus seiner Stadt verschwunden sind, weiß Ndalpole nicht. Noch ist die Provenienzforschung nicht so weit gediehen. Die Diskussion über eine Restitution wird in Kamerun vor allem unter den Intellektuellen geführt. Aber natürlich sähe er die alten Kunstobjekte gern wieder. Er verweist auf ein modernes, weißgetünchtes Gebäude gleich neben den traditionellen Rundhäusern. Der Neubau des Lamidat-Museum:

Es ist leider noch nicht fertig. Vor zwei Jahren wurde damit begonnen, ein neues, größeres Museum für die alten Objekte, wie die Instrumente, den Schild oder auch die Köcher zu bauen. Noch ist das Gebäude leer und geschlossen, leider. Aber ich mag es wirklich, sehr schön.

Die Objekte aus Kamerun, die heute in Deutschland und Europa sind, waren oft Geschenke, Gaben an die Kolonialherren, man weiß einfach noch nicht die genauen Umständen eines jeden Objektes, das wäre vorher notwendig.

Die Nachfahrin von Rudolf Manga Bell, Princess Marilyn Duala Manga Bell setzt sich seit Jahren für eine Diskussion über eine Rückgabe von Kunstgütern in ihrer Heimat Kamerun ein. Die Gesellschaft in Kamerun müsse eine eigene Diskussion über die Bedeutung dieser geraubten Gegenstände führen, die hin zu einer neuen eigenen Identität führen könnte. Erst danach mache es Sinn, die Objekte tatsächlich nach Kamerun zu holen:

Vor einer Rückführung in ein Museum muss hier eine öffentliche Diskussion geführt werden über die Verantwortung für Kamerun, sich auf diese Rückkehr vorzubereiten, sich also die Frage zu stellen nach unserer Identität heute.

Im Lamidat von Nordkamerun beginnt man langsam darüber nachzudenken, welche Bedeutung die vor über einhundert Jahren von Kolonialherren mitgenommen Objekte für das Museum und die Region haben könnten.

ENDE