Afrikanische Mode für die Laufstege der Welt. Die Mode-Designschule von Yaoundé

Von Paris bis Mailand. Mode aus Afrika steht immer häufiger im Rampenlicht. DesignerInnen wie Rich Mnisi zum Beispiel, Imane Ayissi, Martial Tapolo. oder Thebe Magugu begeistern mit den bunten Stoffen und ausgefallenen Schnitten in Paris und London. Fashion-Weeks gibt es mittlerweile auch in Afrika selbst: in Lagos in Nigeria, in Dakar, in Kamerun oder auf Zanzibar in Tansania.

Die Modeschule in Kamerun, in der Hauptstadt Yaoundé möchte jungen Kameruner aus allen Landesteilen die Chance geben, ebenfalls einmal auf den Laufstegen der Welt sichtbar zu werden. Jedes Jahr lädt der Designer Yves Eyaa zu einer Meisterklasse ein.

Deutschlandfunk, Corso 7.10.21

www.ccmc-cameroun.com

Hallo, ich bin Julie, ich arbeite seit zwei Jahren als Stylistin, habe die Modeschule besucht und arbeite jetzt seit einem Jahr als Designerin.

Die junge, schmale Frau steht diskutierend vor einem Laptop. Gemeinsam mit anderen jungen Designern versucht sie die BWL-Grundlagen für ein erfolgreiches Modeunternehmen zu verstehen. In langen excel-Tabellen stehen Zahlenkolonnen, die ihr den effektiven Aufbau eines eigenen Labels ermöglichen sollen. Seit in Europa und Amerika immer häufiger afrikanische Designermode auf den Laufstegen zu sehen ist, zuletzt auch aus Kamerun durch die Oscarnominierung des heimischen Films „Fisherman’s Diary“, erhofft sich Julie Ngono Manga den Sprung nach ganz oben:

Ja, klar, die Chancen sind da, das ist wirklich möglich. Dadurch können wir uns besser präsentieren, unsere Labels, unsere Fähigkeiten ausbauen und sichtbarer werden.

Wenn über unser Land gesprochen wird, oder generell über Afrika, hilft das enorm. Warum sollte man dann nicht auch in einem anderen Land Erfolg haben.

Vielleicht auch in Paris?

Ja, zum Beispiel, das wäre natürlich wunderbar (lacht).

Ihre Entwürfe für die derzeit laufende Meisterklasse: lange Kleider, Cocktailkleider und Oberteile, eine Mischung aus strengen, geraden Konturen, gepaart mit den kraftvollen blauen, roten oder gelben Farben und typischen Mustern Kameruns. Genau diese Verbindung mache den Erfolg aus, ist die junge Designerin überzeugt.

In einem kleinen Nebenraum setzen Näherinnen die Entwürfe praktisch um, an ratternden Nähmaschinen. Auf den Schneiderpuppen hängen Papierschnitte für Jackets und fantasievolle Kleider, Mode nicht nur für Frauen.

Wir haben in der Modebranche in Kamerun eine enorme Qualität. Um mein Business gleich von Anfang an gut aufzustellen, habe ich mich hier beworben. Es ist gar nicht so einfach, richtig durchzustarten. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern können wir gemeinsame Ideen umsetzen. Warum also nicht auch für die Laufstege der Welt. Wir haben das Potential.

Machia Djam Muhammad will sich auf Herrendesign spezialisieren. Auf seinem Smartphone zeigt er einige Entwürfe, für Uniformen und teils gewagte Oberteile, für afrikanische Männer kein Problem.

Anders als sein Vorbild, der Kameruner Modeschöpfer Imane Ayissi, will der selbstbewusste junge Mann im schwarzen Outfit nicht ins Ausland gehen, nach Paris oder New York, sondern von Kamerun aus sein Label aufbauen:

Ich möchte von hier arbeiten. Ich habe bereits in Belgien und der Türkei studiert, konnte viel herumreisen und mir Boston und Harvard, auch Deutschland anschauen. Ich möchte hierbleiben und Investoren nach Kamerun holen. Mit den richtigen Leuten kann man hier viel bewegen.

Wie zum Beispiel Yves Eya’a: Mit dem quirligen Leiter der Modeschule steht den jungen Modeschöpfern ein international bewanderter Berater zur Seite. Seine hippe Erscheinung fällt auf in den Straßen des armen Landes. Gemeinsam mit dem großen Vorbild, dem Kameruner Modedesigner Imane Ayissi, der in Paris sein Atelier führt, eröffnet er jedes Jahr im April die Masterclass. Im November kommt der große Meister persönlich von Paris nach Kamerun geflogen, zur mehrtägigen Modemesse, dem prominenten Abschlussevent des Hauses.

Die Kollektionen seiner Eleven präsentierte Eya’a bereits in Berlin, 2015, in Zusammenarbeit mit einer Berliner Designerin:

Das Prinzip unseres Hauses ist, die kreativen Köpfe Kameruns zusammenzubringen, ein Modezentrum zu schaffen, wo die jungen Designer die Werkzeuge in die Hand bekommen, ein eigenes startup zu gründen, eine Firma wirtschaftlich zu führen, ein Verständnis dafür zu bekommen, wie der Markt funktioniert. Die Idee ist also, das hier eigene kleine Firmen entstehen, die überleben und wachsen können.

Mode Made in Kamerun, das heisst für die jungen Leute auch, Mode Made aus einheimischen Stoffen. Seit viele Textilfabriken schlossen aufgrund der Billigware aus China, mussten auch viele Bauern im Norden Kameruns wegen fehlenden Absatzes ihre Baumwollfelder aufgeben. Das soll sich jetzt ändern, auch mit Hilfe Deutschlands: Der Anbau von Baumwolle in Bioqualität wird logistisch und finanziell direkt vor Ort durch Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ unterstützt. Ein Beitrag, um der Bevölkerung wieder eine Perspektive zu geben, um nicht nach Europa oder zu den Terrorgruppen von Boko Haram zu flüchten.

Biobaumwolle für die Modedesigner der Zukunft. Mode, produziert und gefertigt im eigenen Land, nachhaltig und dennoch tauglich für die red carpets dieser Welt – mit diesem Anspruch will das Zentrum für Modedesigner Kameruns CCMC selbstbewusst international ins Rampenlicht treten.

ENDE