Homeoffice im Ausland.

Kleine Staaten werben um Remote Worker.

Ob nun in Berlin oder Barbados, in Köln oder am Strand von Mauritius – derzeit werben Karibikstaaten und andere tropische Länder um Menschen, bei denen es eigentlich egal ist, wo sie im Homeoffice arbeiten. Klingt verlockend, ist aber rechtlich nicht so einfach.

Homeoffice im Ausland.
Homeoffice auf Bali

Bericht im Deutschlandfunk Campus & Karriere

Bericht im DLF Campus

Urlaubsfeeling, Sonne, Meer und das Büro mittendrin. Mit einem negativen PCR-Test, einem Flugticket in der Tasche, Laptop, Smartphone und kurzen Hosen ist das tatsächlich derzeit möglich (u.a. Mauritius, Barbados, Bermuda, Anguilla, Aruba, Cayman Islands, Antigua and Barbuda, Dubai, Georgien, Costa Rica, Mexiko).

Auf Mauritius, auf der Karibikinsel Anguilla, auf Bermuda und auf Barbados wurden eigens spezielle Visa für Ausländer aufgelegt. Auf Barbados heißt das Angebot “12 month-Barbados-welcomestamp”:

Das Konzept dahinter ist, wieder Besucher nach Barbados zu locken, gerade jetzt in der Pandemie. Die Idee hinter dem “12-month-welcomestamp” ist, Menschen aus dem Ausland die Möglichkeit zu eröffnen, remote bei uns ein Jahr lang zu arbeiten.

Erklärt Debbie Moe vom Tourismusverband des kleinen Karibikstaates.

Statt Touristen Fernarbeiter

Sein Homeoffice einfach ins warme Klima zu verlagern, davon erhoffen sich Barbados, aber auch alle anderen Anbieter einen Neustart des während der Pandemie eingebrochenen Tourismus. Eine extra Website mit Namen barbadoshomeoffice.com bietet in unterschiedlichen Sprachen die wichtigsten Informationen, auch auf deutsch, so Debbie:

Wir haben eine eigene Webseite, wo Sie sich für das Visum online bewerben können. Dort gibt es auch die wichtigsten Informationen zum Bewerbungsprozess. Es ist wirklich einfach.

365 Tage Gelassenheit, damit wirbt Barbados auf der Webseite. Langzeitmieten für Budget- bis Luxus-Unterkünfte werden ebenso vorgeschlagen wie Ausflüge auf der Insel und die Möglichkeit, länger als 12 Monate zu bleiben. Die Kosten: 2000 Dollar für Alleinreisende, 3000 Dollar mit Familie. Voraussetzung: zwei Passbilder, Passkopie und Geburtsurkunde und Mitarbeiter einer ausländischen Firma.

Das Wichtigste, was man als Antragsteller wissen muss, ist, dass das Visum nur das Arbeiten bei ausländischen Firmen erlaubt, die auch keine Niederlassung auf Barbados haben.

Steuerzahlungen weiter am Meldeort

Klingt verführerisch, gibt die Münchner Arbeitsrechtlerin Martin Hidalgo zu. Aber ganz so einfach sei es ihrer Meinung nach nicht, das Homeoffice ins Ausland zu verlegen. Da gibt es zum einen die Auftragnehmer und freien Mitarbeiter: Die können einfach losfahren, müssen sich aber selbst um die Absicherung im Ausland wie Auslandskrankenversicherung kümmern.

Wenn es um Homeoffice wirklich aus einem Arbeitsverhältnis geht und der geht dann dahin, dann muss sich der Arbeitgeber kümmern und muss sich das im Vorfeld überlegen, will er jetzt eine Gehaltsabrechnung auf Mauritius haben, wenn da einer hingeht. Und der Mitarbeiter muss sich überlegen, dass er in Deutschland im Zweifel nicht im Sozialversicherungssystem bleiben kann, sondern dass er dann eine Lücke in seiner Rente hat, nicht krankenversichert ist usw.

Für Digitalnomaden und Freelancer auf Barbados – so die dortige Tourismusbeauftragte für Europa Debbie Moe – laufen Steuern ganz unkompliziert über das deutsche Finanzamt.

Normalerweise gilt das nur für maximal 183 Tage. Mit dem Visum hebt Barbados diese Regelung auf. Als Arbeitnehmer müsse man bedenken, so Rechtsanwältin Hidalgo, dass normalerweise ganz andere Regularien greifen:

Es gibt da natürlich Ausnahmen, gesetzliche Ausnahmen, wenn der Arbeitgeber Sie ins Ausland entsendet, Dienstreise oder zu einer ausländischen Niederlassung, da gibt es eben die Möglichkeit, trotz Arbeit im Ausland im deutschen Sozialversicherungssystem zu bleiben, aber auch nicht unbegrenzt.

Remote arbeiten sogar in Europa schwierig

Arbeitgeber können, aber müssen ihren Mitarbeitern nicht die Möglichkeit eröffnen, im Ausland zu arbeiten, klärt die Rechtsanwältin auf. Deshalb sei es wichtig sich vorab zu verständigen. Denn ein normaler deutscher Arbeitsvertrag sei gesetzlich nicht fürs Arbeiten im Ausland angelegt.

Warum sollte ein Arbeitgeber sich die Mühe machen und seinen Mitarbeiter im Ausland arbeiten lassen, gibt Hidalogo zu bedenken. Die Absprache vorab sei deshalb enorm wichtig.

Globalisierte Arbeitswelt, Homeoffice im Ausland – wenn Staaten wir Mauritius oder Barbados auf Einkommenssteuern der neuen Home-Office-Touristen verzichten wollen, sei das ein Anfang.

Auf jeden Fall muss man sich darauf sehr gut vorbereiten, um im Paradies nicht in der Realität aufzuwachen.

Work-Live-Balance auf Mauritius