Agrar- und Wassermanager*innen für die Sahelzone

Agrar- und Wassermanager*innen für die Sahelzone
Schüler der ETA Garoua

Kamerun setzt im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels mit Hilfe internationaler Organisationen auf die verstärkte Ausbildung von Umwelt- und Agrarexperten. Die Bewerberzahlen an Technischen Agrarschulen sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zu Besuch an der Agrarschule von Garoua mitten in der Sahelzone.

Bericht im DLF Campus & Karriere

Schauen Sie sich unseren Fluss an, den Benue, derzeit führt er ganz wenig Wasser, das war früher anders, heute reicht das nicht mehr.

Zusammen mit seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen steht Raymond unter einem großen Akazienbaum vor der Technischen Schule für Agrarwirtschaft von Garoua. Gekleidet in braune Schuluniformen in grünen Gummistiefeln bei 32 Grad. In der Ferne sind die trockenen braunen Hügel der Stadt mitten in der Sahelzone zu erkennen, Staub liegt in der Luft, Trockenzeit:

Die Ausbildung zum ländlichen Agrartechniker war mir wichtig, um Wassermanagement zu studieren und die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen. Hier fällt immer weniger Regen, das Wasser geht zurück, das wir für die Bewässerung brauchen.

Agrar- und Wassermanager*innen für die Sahelzone

Campus auf 14 Hektar

Der Campus der Schule zieht sich über eine große Fläche hin, gesäumt von Aufzuchtflächen für verschiedene Mangosorten, von schnellwachsenden Akaziensorten und einstöckigen Häusern:

Agrarwirtschaft ist für mich interessant, weil es ein großer Traum von mir war, das zu studieren, so wie mein Vater früher.

Ergänzt diese junge Frau etwas schüchtern. Elsa gehört zu den rund 130 Studierenden, die pro Jahr die zweijährige Ausbildung beginnen. Die Zahl der Bewerbungen sind um ein Mehrfaches höher.

Der Grund: Viele ausländische Organisationen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Agrarprojekte aufgelegt: Sogenannte „multifunktionale Landschaften“ der Subsahara sollen besser bewirtschaftet werden; es werden Bäume entlang der Nationalstraßen gepflanzt. Auch die Teilnahme am Great Green Wall benötigt Experten. Die “Grüne Mauer” ist ein panafrikanisches, ambitioniertes Aufforstungsprojekt vom Senegal bis nach Äthiopien. Lokale Agrarfachkräfte werden also massiv gesucht. Die Ausbildung ermöglicht auch die Gründung einer eigenen Firma in Form einer Baumschule, ergänzt Nessah:

Die Arbeit ist doch nicht schlecht, viele Firmen suchen derzeit Agrartechniker, in den Städten und auch außerhalb in den Dörfern. Es fehlt einfach überall an Umweltexperten und die internationale Hilfe stellt jetzt Gelder bereit für mehr Umweltschutz und ein besseres Wassermanagement.

Baumrückgang durch Wassermangel und Bevölkerungswachstum

Rund um Garoua, die Hauptstadt der Region Nordkamerun, hat der Druck auf die Umwelt und damit auf den Baumbestand zugenommen. Das liegt nicht nur am ausbleibenden Regen, sondern auch an den gut 60 000 Flüchtlingen aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik. Gekocht wird auf Holzfeuer, ungeachtet der von Entwicklungshelfern angebotenen Solarkochern.

Ghana, ebenfalls angehender Agraringenieur, kommt aus Maroua, der Hauptstadt des benachbarten Region Extremer Norden. Das liegt nahe Nigeria, von wo ebenfalls viele Flüchtlinge ins Land drängen:

Ich sehe einfach, wie viel Bedarf es an Fachleuten für das Wassermanagement gibt, deshalb wollte ich mehr darüber wissen, wie auch über Landwirtschaft und Baumzucht, das ist meine Motivation.

Erst vor wenigen Tagen startete eine hochrangige Konferenz der EU-Delegation gemeinsam mit den Agrar- und Wirtschaftsministern Kameruns eine neue Förderstrategie für die kommenden Jahre, bis 2027. 178 Millionen Euro werden von der EU für Umweltmaßnahmen, Ausbildungsinitiativen und Armutsbekämpfung in den nördlichen Regionen Kameruns bereitgestellt, 2024 erfolgt eine erste Evalierung. Davon profitiert auch die Technische-Agrarschule, sagt Direktor Adama Baledjoum. Es sei eine großartige Gelegenheit, die die Absolventinnen und Absolventen nutzen müssten:

Zu uns kommen sowohl Masterabsolventen wie auch Lyzeumsabsolventen. Wir bieten drei Ausbildungsrichtungen an: Wassermanagement, leitender Agrotechniker und agropastoraler Landwirtschaftstechniker, eine Kombination mit Viehzucht. Wir können auf mehrere Flächen rund um Garoua zurückgreifen. Dort geht es um den Pflanzenanbau, die Vermehrung, Veredelung, aber auch Züchtung. Wir sind vor allem auf verschiedene Mangosorten spezialisiert.

Agrar- und Wassermanager*innen für die Sahelzone
Dozenten und Schulleitung der ETA Garoua mit internationalen Gästen

Mit der Ausbildung werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die für Frust und Armut sorgt, kann verringert werden, es werden Arbeitsplätze und damit Zukunftsperspektiven geschaffen. Und: Nach der zweijährigen Ausbildung können Agrarfachleute in die ländlichen Regionen geschickt werden. Dort soll durch Aufforstungsarbeiten verhindert werden, dass sich die Wüste weiter ausbreitet. Außerdem sorgt die Technische Agrar-Schule und deren guter Ruf dafür, dass die Jugend für Umweltschutzbelange sensibilisiert wird. In einem Land, wo stellenweise Unmengen an Plastikmüll an den Straßen liegt keine Selbstverständlichkeit.

ENDE